Ideenfindung/Research auf Messen – Photokina 2014 | manugoo #ProduktdesignWiki

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Ich bin dieses Jahr zum ersten Mal in Köln auf der Photokina, der größten Messe rund um das Thema Fotografie der Welt gewesen. Auf der Photokina 2014 sind alle Branchenvertreter vom Spezialisten für Druckerpapier bis hin zu den Riesen der Branche wie Canon oder Nikon vertreten. Als Produktdesigner lief ich dann mit der Frage im Kopf durch die Hallen ob so eine Fachmesse eine Inspirationsquelle für mich sein kann.

 

Ich bin dabei im Wesentlichen mit dem Fokus auf zwei Aspekte vorgegangen. Zum einen habe ich die globale Präsentation des jeweiligen Stands betrachtet und darauf geachtet, ob diese zu den ausgestellten Produkten passte.

Schöne Messepräsentationen sind enorm wichtig, Samsung und Leica machen es vor!

Zwei Beispiele für eine gelungene Standpräsentation waren auf der Photokina 2014 Samsung und Leica, die zwei völlig verschiedene Konzepte verfolgten aber doch jeweils eine sehr passende Präsentation gewählt hatten, die das jeweilige Produktdesign unterstrich.

Wenn man sich die aktuellen Kameramodelle von Leica betrachtet so sind diese sehr schlicht und klassisch, fast schon im Retro-Look gestaltet. Ähnlich schlicht und klar war der Stand von Leica aufgebaut, auf unnötige Elemente wurde verzichtet, die Produkte sollten im Vordergrund stehen. Dies zeigte sich besonders gut bei der Präsentation der gut 19.000 Dollar teuren Flaggschiff-Kamera M Edition 60, diese ist auch auf die wichtigsten Grundlagen reduziert und verzichtet sogar auf einen Bildschirm, sie zeichnet sich dafür durch einzigartig hohe Qualität aller Komponenten aus.

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Der Stand von Samsung war von der Grundfläche nicht viel größer, aber wirkte durch die Art und Weise wie er gestaltet viel ausgedehnter als der von Leica.

Im Allgemeinen war bei Samsung alles um einiges größer und pompöser gestaltet als bei Leica.

So wurden auf dem Stand des Koreanischen Konzerns die Produkte auf Inseln präsentiert, auf denen Gebilde konstruiert waren, die zum einen die wichtigsten technischen Features darstellten zum anderen aussahen wie Kunstobjekte, abgerundet wurde das ganze durch ein bis zwei Models die sich auf fast jeder Insel befanden und das jeweilige Thema unterstrichen.

Der Effekte war dann, dass die jeweiligen Produkte und ihr Design zunächst in den Hintergrund traten, durch die künstlerische themenbezogene Präsentation aber doch unterstrichen wurden.

Produktdesigner achten aufs Detail

Vom Globalen Blick über den Stand ging ich dann ins Detail und habe mir die einzelnen Produkte genauer angesehen, ich habe dabei nicht so sehr auf technische Daten oder andere Ausstattungsmerkmale geachtet sondern auf das gesamt Produkt. Das Ziel war schließlich, mich zu neuen Ideen inspirieren zu lassen, dabei dachte ich in alle möglichen Richtungen wie beispielsweise Kameras, Objektive oder Zubehör.

Ich fragte mich dabei immer wieder, ob ich das Produkt so entwickelt hätte und falls nein, was hätte ich anders gemacht als der Produktdesigner des Produkts.

Die Ricoh Pentax K-50 

Auch dabei fielen mir mehrere Produkte auf die mir vom Konzept sehr gut gefielen.

Beispielsweise wurde auf dem Stand von Ricoh das Modell Pentax K-50 präsentiert, es handelt sich um eine Spiegelreflexkamera die wasserdicht ist, dies wurde durch kontinuierliches Beregnen dargestellt. Wasserdichtheit an sich ist nichts innovatives oder besonderes mehr, aber die Kombination mit der Möglichkeit die Kamera in 120 Farbvarianten zu ordern schon. Mir ist keine Kamera die eine so große Vielfalt bietet und dabei noch so robust ist. Mir gefiel der Ansatz dieses Produkts, die Zielgruppe sind normale Konsumenten denen ein individueller Style wichtig ist und dabei nicht panisch auf eine trockene Kamera achten wollen. Ich fand die Produktdesigner bei Pentax-Ricoh hatten sehr gut ein Produkt für die Wirklichkeit entwickelt.

Spontan inspirierte mich die Pentax K-50 dann auch an Zubehörprodukte wie zum Beispiel Austeckblitze oder Batteriegriffe die genauso bunt und Wasserfest sind und perfekt zu der eigentlichen Kamera passen.

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Zubehör zur analogen Spiegelreflexkamera

Auf dem Stand von Lomography fiel mir dann die Konstruktor ins Auge, eine analoge Spiegelreflexkamera, die sich im Prinzip allen Trends widersetzt die den aktuellen Kameramarkt beherrschen. Sie bietet kaum Kontrollmöglichkeiten, hat einen extrem simplen optischen Sucher und ist natürlich allen voran eine Analoge Kamera die 35 mm Filme bearbeitet und somit abseits der Jagd nach mehr Megapixeln steht.

Da diese Kamera so einfach gestrickt ist, bietet sie viele Möglichkeiten zur Personalisierung und Modifikation. Ich dachte dabei spontan an verschiedene Zubehörartikel und Gehäusemodifikationen.

Passend zur Geschichte um die analoge Spiegelreflexkamera boten Polaroid und Fuijfilm Sofortbildkameras an, diese versucht man ebenfalls wieder zu reanimieren, sozusagen als Gegenentwurf zu Instagram oder Pinterest. Ob diese tatsächlich jemals wieder eine größere Rolle auf dem Markt spielen werden, darf allerdings bezweifelt werden, bei Polaroid waren die Filme mit 5 € für 10 Fotos recht teuer, so dass diese wohl eher unter die Kategorie Partygag fallen werden.

3D-Druck bzw. Rapid-Prototyping auch in der Fotoindustrie angekommen

3D-Druck beziehungsweise Rapid-Prototyping spielte auf der Photokina ebenfalls eine Rolle, wenn auch nicht in dem großen Maße wie auf Anderen weniger spezialisierten Messen.

Zwei Technologien sind mir dabei aufgefallen, bei der ersten werden mittlerweile Fotoautomaten angeboten mit denen man sich seine eigene Figur drucken lassen kann. Dazu macht man ein Portraitfoto von sich selbst und wählt einen vorgefertigten Körper aus, das Foto wird dann auf die Figur montiert, in der Fabrik wird das Produkt 3D-gedruckt und für 30 Euro zum Kunden nach Hause geschickt.

3D-Scan profitiert vom 3D-Druck-Boom

Bei der zweiten Technologie ging es nicht so sehr um den 3D-Druck selbst sondern um das Anliefern der benötigten dreidimensionalen Modelle. Für einen Körperscanner wurden insgesamt vier Kinect-Module von Microsofts XBox auf ein Gestell gehängt mit Zusatzscheinwerfern ausgestattet und dann synchronisiert. Das Resultat ist ein 3D-Scanner für große Objekte der kostengünstig zu produzieren ist, da auf Standardprodukte zurück gegriffen werden kann. Die Idee an sich Kinect-Module zu nutzen ist ja nicht neu, wurde aber hier sehr professionell umgesetzt.

Die größere Verfügbarkeit von 3D-Scannern für den Konsumenten wird in meinen Augen für einen Boom von 3D-Druckern sorgen, der auch für Produktdesigner sehr interessant sein wird.

Mit Blick auf Rapid-Prototyping ist ein größeres Angebot an 3D-Druckern auf jeden Fall interessant, da dies für einen sinkenden Preis sorgen würde und auch für Konsumenten interessante neue Möglichkeiten bietet.

 

Die Photokina ist nicht nur für Fotobegeisterte die richtige Messe

Welches Fazit kann ich also ziehen, wenn es um die Frage geht ob Messen Inspirationen für den Produktdesigner bieten?

Ich denke, wenn man mit einem offenen Blick und unvoreingenommen auf eine Messe geht und einfach mal möglichst viele Eindrücke auf sich wirken lässt, dann kann so ziemlich jede Messe inspirierend sein. So eine Haltung hängt natürlich auch immer stark von den persönlichen Interessen ab, wenn man sich gezwungener Maße mit einem Thema beschäftigen muss, wird die Inspiration wohl länger auf sich warten lassen, als bei einer Messe die einen wirklich interessiert. Darum liebe Produktdesigner, geht auf so viele und unterschiedliche Messen wie möglich.

 

Wie sieht es bei euch aus, auf welchen Messen wart ihr schon und was sind eure Eindrücke gewesen?

 Hier findet ihr die komplette Bildergalerie zur Photokina 2014: